Ein Lächeln

Es ist viel berichtet worden über die 3 geflüchteten Geschwisterkinder aus Afghanistan. Seit September 2016 sind Shogufa (13), Nahid (12) und ihr großer Bruder Ahmed (18) in Österreich. Viele Betreuungseinrichtungen hat die kleine Familie bis dato gesehen und noch so viel mehr erlebt. Denn Shogufa und Nahid haben Neurofibromatose Typ 1 und einen schweren Verlauf.

Keine Behandlung im Heimatland

Die komplexe Krankheit mit ihren vielen Gesichtern zeigt sich auch bei den Flüchtlingsmädchen ganz unterschiedlich. Shogufa entwickelte ein Optikusgliom im Gehirn, welches bei circa 20 % der Betroffenen auftritt. Im Kleinkindalter wurde sie deshalb auch von einer Hilfsorganisation nach Deutschland eingeflogen. Die notwendige Operation konnte aufgrund fehlender Expertise in der medizinischen Versorgung nicht in ihrer Heimatstadt durchgeführt werden. Ihre Schwester Nahid leidet unter einem großen plexiformen Neurofibrom am Hals, welches sie stetig versucht mit einem Kopftuch zu bedecken. Die psychische Belastung ist sehr hoch.

Die Obsorge-Frage

Doch nicht die schwere Erkrankung der Mädchen stand im Mittelpunkt des Medieninteresses, sondern ihre Betreuung, genauer: die Frage nach der Obsorge. Ihr volljähriger Bruder gilt rechtlich als Familienoberhaupt. Wiewohl er selbst zugibt, mit der Situation überfordert zu sein. Dabei wird oft vergessen, mit welchen großen Herausforderungen der junge Mann umgehen muss. Da ist nicht nur das Leben in einem fremden Land, einer neuen Sprache und Kultur. Da ist auch die Verantwortung für seine kleinen Schwestern, die an einer chronischen und unheilbaren Krankheit leiden. Und nicht zuletzt ist da das große Trauma der Flucht, das die drei Geschwister zu verarbeiten haben, den der Verlust ihrer Eltern miteinschließt. Der Vater der Kinder wurde in der Heimat ermordet und die Mutter sowie die sechs weiteren Geschwisterkinder sind verschollen. Getrennt wurden sie an der irakischen Grenze. Shogufa und Nahid reden wenig über die Flucht.

Das Trauma der Flucht

Neben diesen Faktoren und neben dem Streit um die Obsorgepflicht, der Frage ob der Bruder sich um seine Schwestern kümmern kann, gerät die Frage nach den Mädchen und ihren Emotionen in den Hintergrund. Dabei ist es nicht nur die NF1, die Aufmerksamkeit benötigt. Es ist „Die Beachtung des Kindeswohls“, die seit 2012 in der Verfassung verankert ist und die sich nicht nur auf externe Faktoren wie (medizinische) Versorgung, Betreuung und Schulbesuch bezieht, sondern auch auf die Psyche. Man kann sich kaum vorstellen, wie es Shogufa und Nahid in ihrem tiefsten Inneren geht. Man kann sie es aber zeigen und ausleben lassen.

Pferdetherapie und stille Kommunikation

Equotherapie bezeichnet eine Therapie mit Pferden. So besitzen Pferde eine Begabung, um nonverbale Körperimpulse zu erkennen und den Therapeutinnen und Therapeuten zurückzumelden. Dabei geht es um die Freisetzung antagonistischer (gegensätzlicher) Impulse: einerseits übernehmen Pferde Fürsorge für ihre ReiterInnen und fordern auf der anderen Seite die Verantwortung zum Führen. Die Therapeutinnen und Therapeuten steuern während der Therapiestunden die Dosierungen der Impulse derart, dass die KlientInnen daran wachsen können.

Menschen die vor großen Herausforderungen stehen oder etwas durchlitten haben, profitieren in ganz besonderer Weise von der Equotherapie. Handelt es sich schließlich um einen Bewegungsdialog, eine Kommunikation im Stillen, ohne Sprache, Absicht und gesellschaftlichen Kontext. Es wird nur mit Mimik, Gestik und Körperspannung kommuniziert.

Ein Lächeln für die Seele

Für Shogufa und Nahid war diese Therapie eine wahre Wohltat für die belastete Seele. Fernab bürokratischer Belange und Kleinkriege, fernab von Krankenhaus und einer Sprache, der sie nicht mächtig sind, konnten sie für sich sein und genießen, abschalten und kommunizieren. NF Kinder hielt sich nicht lange mit überflüssigen Anträgen auf, sondern übernahm die Kosten für die Pferdetherapie. 10 Mal konnten die beiden Mädchen den Reitstall beim Otto-Wagner Spital besuchen und gemeinsam mit einem Pferd Ausritte in die nahegelegenen Felder unternehmen. Die Wirkung, die diese besondere Therapie bei den beiden hinterlassen hat, ließ sich schnell an ihrer Mimik erkennen: ein Lächeln erreichte endlich ihre Augen. Etwas was ihnen nach Aussage ihres Bruders im Alltag schwerfällt.

 

Derzeit wird über eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung der 3 Geschwister entschieden. Die Ungewissheit ist für alle sehr belastend, wartet man schließlich schon seit August 2017 auf den Bescheid.  Sollte für eine Abschiebung gestimmt werden, wird es für die Familie lebensgefährlich. Denn Shogufa und Nahid sind auf intensive medizinische Betreuung angewiesen. Eine solche ist ihrer Heimat Afghanistan nicht gegeben.

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